Mit der Ukulele im Nellinistift

Eine Ukulele und vertraute Melodien. Das wöchentliche Musikangebot im Nellinistift schafft Raum für Heiterkeit, Begegnung und Erinnerung


Am Nachmittag komme ich mit meiner Ukulele den Gemeinschaftsraum. Gespräche verstummen, Köpfe heben sich, neugierige und lächelnde Augen richten sich auf mich. Ein Instrument genügt und die Aufmerksamkeit ist da.

Immer freitags starten wir mit Musik ins Wochenende. Bei diesem regelmäßigen Gruppenangebot steht die Freude an der Musik im Mittelpunkt. Wir singen Volkslieder, Schlager und Evergreens - Melodien, die viele ein Leben lang begleitet haben. Die Ukulele gibt den Rhythmus vor, die Gruppe trägt die Musik. Manche singen laut und voller Überzeugung mit, andere summen leise, klatschen oder wippen im Takt. Auch wer nur zuhört, ist ein aktiver Teil des Geschehens.

Wer möchte, kann sich mit kleinen Rhythmusinstrumenten wie Rasseln oder Klanghölzern auf seine eigene Weise beteiligen. Das fördert Koordination, Körperwahrnehmung und vor allem das Gemeinschaftsgefühl.

Schon nach kurzer Zeit lockert sich die Atmosphäre. Freude, Selbstbewusstsein und gegenseitige Wertschätzung wachsen. Musik wird zu einem sozialen Erlebnis, begleitet von Lachen und kleinen Gesten der Ermutigung.

Wenn die Energie nachlässt, übernimmt der Lautsprecher: Originalaufnahmen werden zu einem spontanen Wunschkonzert, das nicht selten in ein Tänzchen übergeht. 

Musik erreicht, was Worte nicht können

Musik ist ein zentrales Werkzeug in meiner Arbeit als Betreuungskraft. Sie spendet Trost und weckt Erinnerungen, insbesondere bei Menschen, deren Worte weniger werden. Musik ist, wie Immanuel Kant es formulierte, eine „wiederbelebende Kunst“. Für mich ist sie noch mehr, nämlich eine Medikation für Herz und Seele.

Musik setzt Reize, die mehrere Bereiche des Gehirns aktivieren. Sie spricht Emotionen, Bewegung, Sprache und Gedächtnis an. Gerade für Menschen mit Demenz ist das von unschätzbarem Wert. Während viele kognitive Fähigkeiten nachlassen, bleibt das musikalische Gedächtnis oft erstaunlich lange erhalten. 

Das gemeinsame Singen wirkt wie ein spielerisches Gedächtnistraining. Gleichzeitig fördert es die soziale Teilhabe und steigert die Lebensqualität. Die regelmäßigen Musikrunden geben der Woche Struktur. Sie werden von den Teilnehmenden als positive Höhepunkte erlebt, auf die sie sich freuen.

Mit dem freundlichen Klang der Ukulele

Für meine Aktivierung nutze ich die Ukulele. Sie ist handlich und einladend, ihr Klang warm und freundlich. Durch ihre Mobilität kann ich mich frei im Raum bewegen, mich zu den einzelnen Teilnehmenden setzen, Blickkontakt herstellen und sie gezielt einbeziehen. Das macht die Ukulele besonders wertvoll für die Arbeit mit älteren Menschen.

Die Lieder sind wahre Impulsgeber für Gespräche:
„Haben Sie früher zu diesem Lied getanzt?“
„Wann haben Sie dieses Lied gehört?“
„Was verbinden Sie mit dieser Zeit in Ihrem Leben?“

Auf diese Weise baut Musik Brücken zur eigenen Biografie und regt die Kommunikation an. Wo Sprache an ihre Grenzen stößt, beginnt die Musik zu sprechen.

Wir alle tragen Musik in uns. Manchmal braucht es nur vier Saiten, um sie hörbar zu machen.

Text: Gabriele Eckhardt, Soziale Betreuung Nellinistift


18.06.2026
Allgemeines, Pressespiegel